SStrategische Einordnung[02_18]

PR im KI-Zeitalter — neue Spielregeln für Sichtbarkeit

KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini und Perplexity entscheiden zunehmend, welche Unternehmensbotschaften sichtbar werden. PR-Teams brauchen neue Strategien: Von SEO zu GEO, von Pressemitteilungen zu KI-optimierten Inhalten.

PR im KI-Zeitalter — neue Spielregeln für Sichtbarkeit

Auf einen Blick

  • Gartner prognostiziert: Das klassische Suchvolumen sinkt bis 2026 um 25% — KI-Chatbots ersetzen Google als erste Anlaufstelle
  • 91% der PR-Profis nutzen bereits GenAI, aber nur wenige optimieren für KI-Suchsysteme — wer jetzt handelt, hat einen Vorsprung
  • Blog- und Fachinhalte sind der meistzitierte Content-Typ in KI-Antworten — PR-Arbeit wird wichtiger, nicht unwichtiger

Das solltest du tun

  1. 1AI-Brand-Audit durchführen: Fragt ChatGPT und Perplexity nach eurem Unternehmen — was wird zitiert, was fehlt?
  2. 2GEO-Strategie aufbauen: Klare, zitierbare Aussagen in allen externen Inhalten positionieren
Relevant für:
MarketingKommunikationGeschäftsführung

Wenn ein Geschäftsführer heute nach "beste CRM-Software für Mittelstand" sucht, tippt er das zunehmend nicht mehr bei Google ein — sondern fragt ChatGPT, Perplexity oder Gemini. Und diese KI-Systeme liefern keine Liste mit zehn blauen Links, sondern eine kuratierte Antwort mit konkreten Empfehlungen. Wer darin vorkommt, gewinnt Sichtbarkeit. Wer fehlt, existiert für diese Nutzer nicht.

Für PR- und Kommunikationsabteilungen bedeutet das einen fundamentalen Wandel: Die Spielregeln für Sichtbarkeit ändern sich gerade grundlegend — und die meisten Unternehmen haben das noch nicht verstanden. Warum selbst große Konzerne bei der KI-Einführung noch straucheln, zeigt unsere Enterprise-AI-Analyse.

Der Shift: KI wird zum neuen Gatekeeper

-25%

Rückgang des klassischen Suchvolumens bis 2026

Gartner 2024

91%

PR-Profis nutzen bereits GenAI

Cision Inside PR 2026

~1%

Web-Traffic stammt bereits aus KI-Quellen

BrightEdge 2026

+796%

Traffic-Wachstum aus KI-Quellen (2024–2025)

WebFX 2025

#1

Blogs sind meistzitierter Seitentyp in AI Overviews

Conductor 2026

7–14 Tagen

Höchste Zitationsrate: innerhalb von

GenOptima / GEO-Praxisdaten 2025

Die Zahlen sind eindeutig: Gartner prognostiziert einen Rückgang des klassischen Suchvolumens um 25% bis 2026. Der Grund: KI-Chatbots und virtuelle Assistenten ersetzen klassische Suchanfragen. Nutzer fragen nicht mehr "Was ist die beste Projektmanagement-Software?" bei Google, sondern stellen dieselbe Frage an ChatGPT — und bekommen eine direkte Antwort.

Gleichzeitig wächst der Traffic aus KI-Quellen rasant: laut WebFX-Daten um fast 800% zwischen 2024 und 2025. Rund 1% des gesamten Web-Traffics stammt mittlerweile von KI-generierten Antworten — noch wenig, aber mit stark steigender Tendenz. Und hier wird es für Kommunikationsabteilungen interessant: Blogs und Fachartikel sind laut Conductor-Daten der meistzitierte Inhaltstyp in KI-Antworten — also genau dort, wo gute PR-Arbeit ansetzt.

Die zentrale Verschiebung: Früher kontrollierte Google, wer sichtbar ist — über Algorithmen, die Backlinks und Keywords zählten. Heute entscheiden KI-Systeme, welche Quellen "vertrauenswürdig" und "zitierwürdig" sind. Und diese Systeme bewerten nach völlig anderen Kriterien als Google.

Von SEO zu GEO — was sich konkret ändert

GEO steht für Generative Engine Optimization — die Kunst, von KI-Systemen als Quelle zitiert zu werden. Was GEO genau bedeutet und wie es funktioniert, haben wir ausführlich in unserem GEO-Grundlagenartikel erklärt. Der Unterschied zu klassischer Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist grundlegend:

SEO — alte Welt
  • Keywords in Überschriften und Meta-Tags platzieren
  • Möglichst viele Backlinks aufbauen
  • Texte für den Google-Algorithmus optimieren
  • Ziel: Möglichst weit oben in der Linkliste erscheinen
GEO — neue Welt
  • Klare, zitierbare Aussagen formulieren
  • Markennarrativ konsistent über alle Kanäle pflegen
  • Vertrauen durch Drittquellen aufbauen (Medien, Experten)
  • Ziel: Von der KI als verlässliche Quelle zitiert werden

PR-Agenturen sprechen von einem Wandel zum "Trust Engineering": Statt Backlinks zu sammeln, geht es darum, das Vertrauen der KI-Systeme zu gewinnen. Die Ellerton-Agentur formuliert es so: Unternehmen müssen klare, wiederholbare "Source Materials" schaffen, die KI-Engines als Zitatgrundlage nutzen können.

Ein entscheidender Faktor dabei: Aktualität. Mehr als die Hälfte aller KI-Zitationen stammt aus Inhalten der letzten 12 Monate. Die höchste Zitationsrate liegt innerhalb der ersten sieben Tage nach Veröffentlichung. Wer im KI-Zeitalter sichtbar bleiben will, muss regelmäßig publizieren — nicht einmal im Quartal eine Pressemitteilung versenden.

PR wird wichtiger — nicht unwichtiger

Auf den ersten Blick könnte man denken: Wenn KI die Antworten gibt, braucht man weniger PR. Das Gegenteil ist der Fall. Laut der Cision-Studie "Inside PR 2026" (Befragung von 600 PR-Profis weltweit) setzen bereits 91% der PR-Fachleute GenAI ein — für Ideenfindung, Medienrecherche und Content-Erstellung.

59% der PR-Profis nennen Storytelling als wichtigste Fähigkeit. Nicht Prompt Engineering, nicht Datenanalyse — sondern die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, die Menschen und Maschinen überzeugen.

Cision, Inside PR 2026

Die Studie zeigt auch die Herausforderungen: 60% der Befragten sehen die zunehmend fragmentierte Medienlandschaft als größtes Problem. Klassische Medienbeziehungen funktionieren noch, aber sie reichen nicht mehr. Unternehmen müssen ihre Botschaften über mehr Kanäle verbreiten — und dabei sicherstellen, dass KI-Systeme diese Botschaften aufgreifen und korrekt wiedergeben.

IBM iX identifiziert in seinem Trendreport 2026 fünf Schlüsseltrends für Unternehmenskommunikation — darunter den Wandel der Kommunikation zur Priorisierungsfunktion und die Notwendigkeit, Vertrauen aktiv aufzubauen, wenn KI mehr Fragen aufwirft als beantwortet. In einer Welt, in der KI überzeugende Texte, Bilder und Videos erzeugt, wird die Frage "Ist das echt?" zum zentralen Kommunikationsproblem.

5 Handlungsfelder für Kommunikationsabteilungen

01

AI-Brand-Audit durchführen

Fragt ChatGPT, Perplexity und Gemini nach eurem Unternehmen, euren Produkten und eurer Branche. Was wird zitiert? Was fehlt? Was ist falsch? Das ist der Ausgangspunkt für jede GEO-Strategie.

02

GEO-optimierte Inhalte erstellen

Jede Pressemitteilung, jeder Blogartikel, jede Fachpublikation sollte klare, zitierbare Kernaussagen enthalten. KI-Systeme bevorzugen Inhalte mit konkreten Zahlen, benannten Experten und eindeutigen Positionierungen.

03

Thought Leadership systematisch aufbauen

60-70% des KI-Traffics geht zu Thought-Leadership-Inhalten. Geschäftsführer, Fachexperten und Produktverantwortliche sollten regelmäßig unter eigenem Namen publizieren — auf der eigenen Website, in Fachmedien und als Gastbeiträge. Wie das strategisch funktioniert, zeigt unser Artikel zu Corporate Influencern.

04

Kanalvielfalt statt Plattformabhängigkeit

KI-Systeme aggregieren aus vielen Quellen. Wer nur auf LinkedIn postet, wird weniger zitiert als jemand, der in Fachmedien, auf der eigenen Website, in Podcasts und in Branchenreports auftaucht. Diversifikation ist Pflicht.

05

Deepfake-Abwehr und Authentizitätsnachweis

Synthetische Medien machen es möglich, Statements zu fälschen. Unternehmen brauchen klare Kommunikationswege und schnelle Reaktionsprozesse, wenn KI-generierte Falschinformationen im Umlauf sind.

Der wichtigste erste Schritt: Führt noch diese Woche ein AI-Brand-Audit durch. Fragt mindestens drei KI-Systeme (ChatGPT, Perplexity, Gemini) nach eurem Unternehmen und euren Kernprodukten. Die Ergebnisse zeigen, wo ihr steht — und wo die Lücken sind. Mehr zum Thema KI und Sichtbarkeit: KI-Suche verändert Sichtbarkeit.

Was das für einzelne Rollen bedeutet

Marketing & Kommunikation
  • GEO als festes Element in die Kommunikationsstrategie integrieren — nicht als Add-on, sondern als Kernaufgabe
  • Redaktionskalender auf Aktualität optimieren: KI zitiert bevorzugt Inhalte der letzten 7 Tage
  • Zitierbare Kernbotschaften definieren und konsistent über alle Kanäle verwenden
Geschäftsführung
  • Persönlich als Thought Leader publizieren — CEOs mit eigener Stimme werden häufiger von KI-Systemen zitiert als anonyme Unternehmensaccounts. Warum LinkedIn allein nicht mehr reicht
  • Budget für GEO-Optimierung freigeben: PR-Teams brauchen neue Tools und Kompetenzen
  • Regelmäßig AI-Brand-Audits anfordern als Teil des Management-Reportings
Vertrieb & Business Development
  • Prüfen, was KI-Systeme über euer Produkt sagen — und gezielt Inhalte erstellen, die Wissenslücken schließen
  • Case Studies und Kundenstimmen als zitierbares Material aufbereiten, nicht nur als PDF hinter einem Formular
  • Eigene Expertise über Fachartikel und Branchenreports sichtbar machen — das stärkt auch die Auffindbarkeit in KI-Systemen. Wie KI den Vertrieb insgesamt verändert: KI im Vertrieb

Einordnung: Nicht Panik — aber Tempo

KI-Suchsysteme ersetzen Google nicht über Nacht. Aber der Trend ist klar und die Geschwindigkeit hoch. Unternehmen, die jetzt ihre KI-Sichtbarkeit verstehen und optimieren, bauen einen Vorsprung auf, der sich später nur schwer aufholen lässt.

01

PR-Arbeit wird nicht weniger wichtig, sondern anders: Statt Journalisten als Gatekeeper stehen jetzt KI-Systeme dazwischen

02

Wer nur SEO macht, verpasst den GEO-Shift — beide Disziplinen müssen parallel laufen

03

Authentizität und Quellenqualität werden zum Differenzierungsmerkmal, wenn synthetische Inhalte überall sind

04

Unternehmen ohne regelmäßige, aktuelle Fachpublikationen verschwinden aus den KI-Antworten — und damit aus dem Bewusstsein potenzieller Kunden

Die Kernfrage ist nicht, ob KI die Unternehmenskommunikation verändert — sondern wann eure Kommunikationsabteilung darauf vorbereitet ist. Die gute Nachricht: Die Grundprinzipien guter PR — klare Botschaften, belastbare Quellen, konsistentes Storytelling — gelten weiterhin. Sie müssen nur für ein neues Publikum optimiert werden: Maschinen, die entscheiden, was Menschen zu sehen bekommen.

Quellen