Use Case: Siemens Industrial Copilot
Wie der Industriekonzern mit Microsoft KI in die Fertigung bringt
Auf einen Blick
- Eigenständig handelnde KI-Assistenten von Siemens können Produktivitätssteigerungen von bis zu 50% ermöglichen
- Virtuelle Maschinensteuerungen (vPLC) mit TÜV-Zertifizierung erstmals in Audi-Produktion im Einsatz
- Einrichtungsaufwand für optische Qualitätskontrolle um 95% reduziert
Das solltest du tun
- 1Den Industrie-KI-Assistenten TIA für Entwicklungsprozesse prüfen
- 2KI-gestützte Qualitätskontrolle als Pilotprojekt starten
- 3Strategie für digitale Zwillinge (virtuelle Abbilder realer Maschinen) mit physikbasierter KI entwickeln
Bei der Automate 2025 in Detroit präsentierte Siemens einen fundamentalen Shift: Von KI-Assistenten, die auf Anfragen reagieren, zu eigenständig handelnden KI-Agenten, die gesamte Prozesse ohne menschliches Eingreifen ausführen – vergleichbar mit einem digitalen Mitarbeiter, der Aufgaben selbstständig erledigt. Die angekündigten Produktivitätssteigerungen: bis zu 50%.
50%
Produktivitätssteigerung (Ziel)
95%
Weniger Einrichtungsaufwand bei Qualitätskontrolle
30%
Schnellere Entwicklung
Die Vision: Eigenständig handelnde Industrie-KI
Der Unterschied zu bisherigen Ansätzen ist grundlegend: Herkömmliche Industrie-KI reagiert auf Anfragen oder zeigt Auffälligkeiten an. Siemens' neue KI-Agenten handeln vorausschauend und führen komplexe Aufgaben eigenständig aus.
Der Paradigmenwechsel:
Vorher: "Die KI zeigt mir, dass die Temperatur zu hoch ist."
Nachher: "Die KI erkennt das Problem, analysiert die Ursache, passt die Parameter an und dokumentiert die Änderung – alles ohne mein Eingreifen."
Die KI-Assistenten-Produktfamilie
Entwicklungs-Assistent TIA
Ein KI-Werkzeug, das eigenständig Entwicklungsaufgaben übernimmt:
- Automatische Programmierung von Maschinensteuerungen (SPS – speicherprogrammierbare Steuerungen, die Maschinen steuern)
- Dokumentation und automatische Erstellung von Tests
- Erstellung von Bedienoberflächen für Maschinen
- Hardware-Konfiguration
Status: Erfolgreich abgeschlossene Beta-Phase, jetzt Expansion zu weiteren Pilotanwendern.
Insights Hub Produktions-Assistent
Nutzt KI als Optimierungsschicht für datenbasierte Fertigung:
- Produktionsdaten in natürlicher Sprache abfragen – z.B. „Warum hatte Linie 3 gestern Ausschuss?"
- Automatische Erkennung von Mustern und Verbesserungsmöglichkeiten
- Proaktive Empfehlungen für Prozessoptimierung
Anwendungsbeispiel: Am Siemens-Standort Bad Neustadt verwandelt der KI-Assistent verstreute Daten in konkrete Handlungsempfehlungen.
Meilenstein: Virtuelle Maschinensteuerungen bei Audi
Eine der bemerkenswertesten Umsetzungen: Audi und Siemens setzen erstmals virtuelle Maschinensteuerungenin der Produktion ein. Bisher brauchte jede Maschine einen eigenen physischen Steuerungscomputer direkt vor Ort. Das ändert sich jetzt.
Was bedeutet das?
Statt physischer Steuerungscomputer direkt an den Maschinen laufen die Steuerungen virtuell in einem Rechenzentrum – kilometerweit entfernt. Das ist vergleichbar mit dem Wechsel von lokalen Servern zur Cloud in der IT-Welt.
Weltweit erste TÜV-Zertifizierung: Siemens ist das erste Unternehmen, das eine Sicherheitszertifizierung für virtuelle Maschinensteuerungen vom deutschen TÜV erhalten hat.
Vorteile für Audi
Flexibilität
Schnellere Umkonfiguration der Produktionslinien
Geschwindigkeit
Kürzere Zeit bis zur Produktionsreife für neue Modelle
KI-Integration
Grundlage für AI-gestützte Produktionsoptimierung
Showcase: Siemens Elektronikfabrik Erlangen
Am eigenen Standort demonstriert Siemens, was bereits möglich ist:
KI-gestütztes automatisches Greifen
Roboter, die mit KI trainiert wurden, um Teile in beliebiger Lage zu erkennen und zu greifen. Ergebnis: Tausende von Einlegeteilen pro Jahr eingespart, deutlich kürzere Einrichtungszeiten für neue Bauteile.
Präzisionsmontage mit Tastsinn
KI kombiniert mit Kraft- und Drehmomentsensoren gibt Robotern eine Art Tastsinn und damit die Feinmotorik, elektronische Komponenten von wenigen Zehntel Millimeternpräzise zu montieren.
Automatisierte optische Inspektion
KI-gestützte Qualitätskontrollsysteme reduzieren den Einrichtungsaufwand um bis zu 95%.
Das Ökosystem
Siemens setzt auf strategische Partnerschaften, um Industrie-KI voranzutreiben:
Microsoft
Azure OpenAI (Microsofts KI-Cloud-Dienst) als Grundlage für die Assistenten-Familie. Einbindung in Microsoft 365 für nahtlose Arbeitsabläufe im Unternehmen.
BASF (Antwerpen)
Gemeinsame Entwicklung von digitalen Zwillingen (virtuelle 1:1-Abbilder realer Anlagen), die auf Physik-Gesetzen basieren. Messbare Verbesserungen in der betrieblichen Effizienz.
thyssenkrupp Automation
Weltweite Einführung des Industrie-KI-Assistenten. Ingenieure berichten von Verbesserungen in Programmierqualität und Entwicklungsgeschwindigkeit.
PAILOT (AI Award 2025)
Gewinner des Siemens Industrie-KI-Preises 2025 mit cloudbasierter Produktionsplanung. Kürzere Durchlaufzeiten, niedrigere Rüstkosten, höhere Planungssicherheit.
Learnings für andere Industrieunternehmen
1. Von Hilfestellung zu Eigenständigkeit
Der nächste Schritt nach Chatbots und KI-Assistenten sind KI-Agenten, die eigenständig handeln. Siemens zeigt den Weg für die Industrie.
2. Sicherheit geht vor
Die TÜV-Zertifizierung für virtuelle Maschinensteuerungen zeigt: Industrie-KI braucht Sicherheitsnachweise. Ohne sie keine breite Einführung.
3. Digitaler Zwilling + KI = Synergie
KI, die auf Physik-Gesetzen aufbaut, kombiniert mit digitalen Zwillingen (virtuellen Abbildern realer Anlagen) liefert zuverlässigere Ergebnisse als rein datengetriebene Ansätze.